Die Zahl von Forells Gemeindemitgliedern in Berlin umfasste 1929 ungefähr 1400 Leute, die über alle Stadtteile Berlins verstreut lebten. Die Weltwirtschaftskrise machte sich auch in Berlin bemerkbar, die Arbeitslosenzahlen stiegen und manche der schwedischen Handwerker und Arbeiter lebten an der Grenze zum Hunger. Birger Forell begann Geld für sie zu sammeln, auch in Schweden.
Den Menschen ging es schlecht; das war ein fruchtbarer Boden für die Nationalsozialisten und half ihnen, immer mächtiger zu werden, was Forell Sorge bereitete. Als sie schließlich im März 1933 an die Macht kamen, schrieb er an Rudolf Otto[***] : "Es geht um den Bestand dieses Volkes".
Während viele Leute in Deutschland noch jubelten, bemerkte Forell bereits, dass Menschen wegen ihrer Rassenzugehörigkeit oder politischen Meinung unter der Herrschaft der Nationalsozialisten Schwierigkeiten bekamen. Er erkannte rasch, was er tun konnte. So setzte er sich zum Beispiel dafür ein, Pfarrer, die von den Nationalsozialisten als ‚untragbar' eingestuft worden waren, ins Ausland zu vermitteln oder Geld für Verhaftete und deren Familien zu sammeln .
Forell arbeitete ebenfalls mit der ‚Hilfsstelle für nicht-arische Christen', einer Einrichtung der Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche, zusammen. Diese Einrichtung wurde im September 1938 von Heinrich Grüber gegründet und konnte vielen Verfolgten helfen, im Ausland unterzukommen. Forell bemühte sich ja schon seit 1933, verfolgte Menschen im Ausland in Sicherheit zu bringen. 1938 hatte er zwei Zimmer unter seinem Dach ausbauen lassen, um dort Verfolgte unterbringen zu können. Der Vordereingang des Grundstücks der Schwedischen Kirche wurde zwar von der Gestapo bewacht, jedoch existierte noch ein Hintereingang, der übersehen wurde, sodass man im Stadtgewimmel untertauchen konnte. So versuchte er zum Beispiel, Jochen Klepper[****] und seine Familie nach Schweden zu vermitteln, was jedoch nur für eine der beiden Töchter gelang.
Durch seine unermüdliche Arbeit, Notleidenden und Verfolgten zu helfen, brachte er sich selbst so sehr in Gefahr, dass er 1942 nach Schweden zurückbeordert wurde, "sei es, dass die schwedische Regierung oder der Gesandte in Berlin glaubten, für Forells Sicherheit fürchten zu müssen, sie es, dass von nationalsozialistischer Seite eine offene Drohung gegen ihn ausgesprochen worden ist, die sein Bleiben nicht länger mehr möglich machte ".[21][22]
***Rudolf Otto, geboren 1869, gestorben 1937 in Marburg, war ein evangelischer Theologe und Religionswissenschaftler. Sein Buch über ‚Das Heilige' weckte in Forell den Wunsch, in Deutschland zu studieren
****Klepper, geboren 1903, gestorben 1942, war ein deutscher Schriftsteller, Theologe und Textdichter, der mit einer jüdischen Frau verheiratet war. 1942 nahmen er, seine Frau sowie die jüngere Stieftochter sich das Leben, um einer Deportation zu entgehen.